Montag, 30. April 2012
Samstag, 31. März 2012
layers
Ich male meine Alltagsmaske. Bloss ein bisschen schwarz um die Augen.
Das reicht, denke ich. Das müde Morgengesicht, das zuvor aus dem Spiegel
zurückgestarrt hat, ist beinahe verschwunden. Ich schenke mir ein
Lächeln und prüfe, ob es glücklich wirkt. Den Rest müssen sie nicht
wissen. Schicht für Schicht lege ich die Masken übereinander.
Zwei braune Augen schauen zurück. Ich mag meine Augen. Papas Augen. Mama sagte immer, sie habe die Augen meiner Grossmutter. Ich kann nicht nachprüfen, ob es stimmt. Grossmama war tot, bevor mein Herz zu schlagen begann. Die Nase etwas zu breit. Die Stirn zu eckig, das Kinn zu rund. Es ist nur die Oberfläche, sage ich zu mir und wende mich ab.
Ich, 26, Amateurtänzerin, Freizeitkünstlerin, Nachteule und Alleinreiserin. So solltet ihr mich sehen. Die Realität entsteht in euren Köpfen, denke ich. Nur wenn ihr daran glaubt, ist es wahr.
Ich überzeuge mich davon, dass das Leben schön ist. Schön sein muss. Denn es ist kurz. Man sollte glücklich sein. Meistens zumindest, sage ich zu mir, als ich aus dem Bus steige und die Strasse überquere. Ich werfe im Vorbeigehen einen Blick ins Schaufenster von Coop und frage mich, was ihr denkt, wenn ihr mir entgegenkommt. Glaubt ihr mein Lächeln?
Maria, 60, Pflegeassistentin. Ich gleiche meiner Mutter, auch wenn ich nie wie sie sein wollte. Ich könnte mir vorstellen, dass die anderen denken, nicht schlecht gehalten für 60 Jahre.
Josephine, 24, stellvertretende Geschäftsleiterin. Wenn ich unsicher bin reagiere ich oft kalt, ich glaube, das lässt mich eingebildet wirken.
Thomas, 54, Heizungstechniker. Morgens schaue ich in den Spiegel und hoffe, dass es ein guter Tag wird. Ich weiss nicht, ob mir mein Gesicht gefällt, ich habe noch nie darüber nachgedacht.
Die Haustür fällt hinter mir ins Schloss. Delet Layer one, sage ich zu mir und schüttle den Kopf darüber, dass mich die Sprache des Grafikprogramms bis hierher verfolgt. Egal, denke ich und lasse mein Alltagsgesicht fallen. Heute brauche ich es nicht mehr. Ich bin hier, rufe ich. Es bleibt still. Niemand da. Aus dem Spiegel neben dem Kleiderständer schaut ein müdes Gesicht zurück. Mias Schuhe liegen im Eingang verstreut. Ich schiebe sie mit ein paar Fusstritten zur Seite und schüttle den Kopf über das sich stetig ausbreitende Chaos.
Mia, 23, Hundetrainerin. Vermutlich denken die Leute, die mir auf der Strasse begegnen, die könnte mehr aus sich machen. Tu ich auch. Manchmal.
Fabian, 32, Doktorand BWL. An meinem Gesicht mag ich nicht, dass meine linke Gesichtshälfte von der rechten abweicht.
Tessa, 25, Forschungslaborantin. Meine Lippen wurden einfach richtig gemacht, sie gefallen mir. Klar, bin ich eitel, aber das ist ja wohl jeder.
Mit meinen Finger streiche ich über den Stapel Bücher auf meinem Schreibtisch, der darauf wartet von dir abgeholt zu werden. Ich blicke auf die Spuren, die meine Fingerspitzen in der feinen Staubschicht hinterlassen haben. Als du gingst, sagtest du, du hättest dir das mit uns anders vorgestellt. Ich dachte, ja ich mir auch. Ich hätte dich belogen, sagtest du und ich denke, dass dies nicht stimmt. Ich hatte nichts gesagt, weil ich dachte, es wäre nicht wichtig. Jetzt bist du weg und auf deinen Büchern wächst Staub.
Ich mochte die Frau, zu der ich wurde, wenn du bei mir warst. Doch sie ist mit dir gegangen, als du deine Bücher bei mir zurückliesst. Ich vermisse sie und ich vermisse dich.
Bitte lächeln, sage ich zu meinem Spiegelbild. Ich nehme den Schal vom Haken und schlüpfe in meine Jacke. Los, befehle ich mir, du weisst genau, dass es dir danach besser geht.
Ich höre ihr Lachen schon im Treppenhaus, als ich zu Ralfs Dachwohnung hinaufsteige. Bestimmt schon wieder Nudelauflauf, denke ich. Ralf schwört auf Take-away und auf das italienische Nudelrezept seiner Nonna.
Tamara, 31, Bühnenmalerin. Ich schminke mich nie. Ich kann es nicht und bräuchte zu viel Zeit dafür.
Ralf, 25, Journalist und DJ. Am Morgen, wenn ich in den Spiegel schaue, frage ich mich, wieso ich keine richtige Frisur habe. Ich mag meinen Bart und die dichten Augenbrauen.
Christoph, 29, Assistenzarzt. Mein Äusseres ist mir nicht egal. Es würde mich beispielsweise demoralisieren übergewichtig zu sein. Ich will aber unter keinen Umständen, dass man mir meine Eitelkeit ansieht.
Wir öffnen eine weiter Flasche Wein; folgen unseren Gedankenfetzen, die sich mühelos aneinanderreihen und wie Tänzerinnen durch den Raum schweben. Freundschaft ist, wenn man die Innenseite nach aussen kehren kann. Ich erinnere mich daran, wie ich dieses Zitat im Gymnasium in mein Heft gemalt habe.
Während die Strassen langsam still werden, sitze ich mit Ralf noch immer vor unseren inzwischen leeren Weingläsern. Einige dunkelrote Flecken zieren das türkisblaue Tischtuch. Tamara und Christoph sind bereits vor Stunden gegangen. Was ist, wenn wir Maske um Maske abgelegt haben, frage ich ihn. Was liegt hinter der letzten Schicht? Er zuckt die Schultern.
Ich stelle mir die Frage noch einmal, als ich später im Bett liege; frage mich, was du dazu gesagt hättest. Nichts vermutlich, flüstere ich, und lasse mich in das schwarze Vakuum des Schlafs fallen.
Zwei braune Augen schauen zurück. Ich mag meine Augen. Papas Augen. Mama sagte immer, sie habe die Augen meiner Grossmutter. Ich kann nicht nachprüfen, ob es stimmt. Grossmama war tot, bevor mein Herz zu schlagen begann. Die Nase etwas zu breit. Die Stirn zu eckig, das Kinn zu rund. Es ist nur die Oberfläche, sage ich zu mir und wende mich ab.
Ich, 26, Amateurtänzerin, Freizeitkünstlerin, Nachteule und Alleinreiserin. So solltet ihr mich sehen. Die Realität entsteht in euren Köpfen, denke ich. Nur wenn ihr daran glaubt, ist es wahr.
Ich überzeuge mich davon, dass das Leben schön ist. Schön sein muss. Denn es ist kurz. Man sollte glücklich sein. Meistens zumindest, sage ich zu mir, als ich aus dem Bus steige und die Strasse überquere. Ich werfe im Vorbeigehen einen Blick ins Schaufenster von Coop und frage mich, was ihr denkt, wenn ihr mir entgegenkommt. Glaubt ihr mein Lächeln?
Maria, 60, Pflegeassistentin. Ich gleiche meiner Mutter, auch wenn ich nie wie sie sein wollte. Ich könnte mir vorstellen, dass die anderen denken, nicht schlecht gehalten für 60 Jahre.
Josephine, 24, stellvertretende Geschäftsleiterin. Wenn ich unsicher bin reagiere ich oft kalt, ich glaube, das lässt mich eingebildet wirken.
Thomas, 54, Heizungstechniker. Morgens schaue ich in den Spiegel und hoffe, dass es ein guter Tag wird. Ich weiss nicht, ob mir mein Gesicht gefällt, ich habe noch nie darüber nachgedacht.
Die Haustür fällt hinter mir ins Schloss. Delet Layer one, sage ich zu mir und schüttle den Kopf darüber, dass mich die Sprache des Grafikprogramms bis hierher verfolgt. Egal, denke ich und lasse mein Alltagsgesicht fallen. Heute brauche ich es nicht mehr. Ich bin hier, rufe ich. Es bleibt still. Niemand da. Aus dem Spiegel neben dem Kleiderständer schaut ein müdes Gesicht zurück. Mias Schuhe liegen im Eingang verstreut. Ich schiebe sie mit ein paar Fusstritten zur Seite und schüttle den Kopf über das sich stetig ausbreitende Chaos.
Mia, 23, Hundetrainerin. Vermutlich denken die Leute, die mir auf der Strasse begegnen, die könnte mehr aus sich machen. Tu ich auch. Manchmal.
Fabian, 32, Doktorand BWL. An meinem Gesicht mag ich nicht, dass meine linke Gesichtshälfte von der rechten abweicht.
Tessa, 25, Forschungslaborantin. Meine Lippen wurden einfach richtig gemacht, sie gefallen mir. Klar, bin ich eitel, aber das ist ja wohl jeder.
Mit meinen Finger streiche ich über den Stapel Bücher auf meinem Schreibtisch, der darauf wartet von dir abgeholt zu werden. Ich blicke auf die Spuren, die meine Fingerspitzen in der feinen Staubschicht hinterlassen haben. Als du gingst, sagtest du, du hättest dir das mit uns anders vorgestellt. Ich dachte, ja ich mir auch. Ich hätte dich belogen, sagtest du und ich denke, dass dies nicht stimmt. Ich hatte nichts gesagt, weil ich dachte, es wäre nicht wichtig. Jetzt bist du weg und auf deinen Büchern wächst Staub.
Ich mochte die Frau, zu der ich wurde, wenn du bei mir warst. Doch sie ist mit dir gegangen, als du deine Bücher bei mir zurückliesst. Ich vermisse sie und ich vermisse dich.
Bitte lächeln, sage ich zu meinem Spiegelbild. Ich nehme den Schal vom Haken und schlüpfe in meine Jacke. Los, befehle ich mir, du weisst genau, dass es dir danach besser geht.
Ich höre ihr Lachen schon im Treppenhaus, als ich zu Ralfs Dachwohnung hinaufsteige. Bestimmt schon wieder Nudelauflauf, denke ich. Ralf schwört auf Take-away und auf das italienische Nudelrezept seiner Nonna.
Tamara, 31, Bühnenmalerin. Ich schminke mich nie. Ich kann es nicht und bräuchte zu viel Zeit dafür.
Ralf, 25, Journalist und DJ. Am Morgen, wenn ich in den Spiegel schaue, frage ich mich, wieso ich keine richtige Frisur habe. Ich mag meinen Bart und die dichten Augenbrauen.
Christoph, 29, Assistenzarzt. Mein Äusseres ist mir nicht egal. Es würde mich beispielsweise demoralisieren übergewichtig zu sein. Ich will aber unter keinen Umständen, dass man mir meine Eitelkeit ansieht.
Wir öffnen eine weiter Flasche Wein; folgen unseren Gedankenfetzen, die sich mühelos aneinanderreihen und wie Tänzerinnen durch den Raum schweben. Freundschaft ist, wenn man die Innenseite nach aussen kehren kann. Ich erinnere mich daran, wie ich dieses Zitat im Gymnasium in mein Heft gemalt habe.
Während die Strassen langsam still werden, sitze ich mit Ralf noch immer vor unseren inzwischen leeren Weingläsern. Einige dunkelrote Flecken zieren das türkisblaue Tischtuch. Tamara und Christoph sind bereits vor Stunden gegangen. Was ist, wenn wir Maske um Maske abgelegt haben, frage ich ihn. Was liegt hinter der letzten Schicht? Er zuckt die Schultern.
Ich stelle mir die Frage noch einmal, als ich später im Bett liege; frage mich, was du dazu gesagt hättest. Nichts vermutlich, flüstere ich, und lasse mich in das schwarze Vakuum des Schlafs fallen.
Montag, 19. März 2012
Montag, 23. Januar 2012
jetzt - bevor das letzte sandkorn fällt
Die Küchenuhr tickt die Sekunden eines müden Morgens. Regungslos lausche ich dem verstreichen der Zeit. Sie tickt unablässig, denke ich, selbst wenn niemand hinhört. Und zählt heimlich an der Wand, Tag für Tag.
1 Stunde besitzt 60 Minuten, rechne ich vor. Nur eine Stunde, denken wir, bloss eine winzige Stunde und schlagen sie achtlos tot.
Omas Uhr tickt nicht mehr. Stehen geblieben nach 2.4 Milliarden Herzschlägen. Oma war alt, denke ich. Oma hatte ihr Leben gelebt. Vielleicht, füge ich an.
Siehst du das feine Zittern der Stromleitung vor dem morgenblauen Himmel, frage ich dich und blicke zum schaukelnden Kabel empor.
Schon wieder ein Jahr verstrichen, sagen wir und fragen uns wo die vielen Stunden geblieben sind. Vom Alltag verschluckt, sage ich leise, Sekundenweise, damit keiner ihr Verschwinden bemerkt. Tausende von Runden dreht der Zeiger in seiner pausenlosen Wanderung.
Ein Vogel gleite über unsere Köpfe hinweg. Ich lächle und denke daran wie seine kleinen Lungenflügel ein und aus atmen. Genau wie die meinen, denke ich, und sehe zu wie seine Schwingen die Luft schneiden. Weil Luft nicht dasselbe wie Leere ist.
Natürlich habe ich schon viele Vögel gesehen, stimme ich dir zu und frage mich, wie ich die Einzigartigkeit dieses Augenblicks in Worte wickeln sollte. Weil die Uhr tickt, denke ich. Weil für das Leben der Repeat Button fehlt.
Jonathans Uhr ist zu früh stehen geblieben, sage ich zu dir. Er hatte keine Zeit. Aus dem Leben gerissen, wurde an der Beerdigung gesagt. Und ich weiss, dass es wahr ist. Unfälle sind die häufigste Todesursache bei jungen Menschen, wurde auch in unseren Vorlesungen gelehrt.
Die Zeit frisst sich stetig vor, sage ich leise zu mir selbst und schaudere ob dieser Gewissheit. Niemand weiss wann das letzte Sandkorn fällt. Der Tod siegt immer, sage ich zu dir, denn so ist das Leben.
Hörst du den Gesang des Teekessels, frage ich, und lausche dem leisen sirren und pfeifen des heiss werdenden Wassers. Es ist bloss ein Geräusch, sagst du und ich denke, dass dies wohl wahr ist, du dich aber trotzdem irrst.
Ich staune und lächle. Weil die Luft nach Kälte riecht. Weil die Sonne die kahlen Winterbäume in Licht kleidet. Das Leben ist schön, denke ich. Ich atme seine Zerbrechlichkeit und streiche mit meinen Fingerspitzen über die samtig weiche Oberfläche. Ich wünschte du könntest mit meinen Augen sehen.
1 Stunde besitzt 60 Minuten, rechne ich vor. Nur eine Stunde, denken wir, bloss eine winzige Stunde und schlagen sie achtlos tot.
Omas Uhr tickt nicht mehr. Stehen geblieben nach 2.4 Milliarden Herzschlägen. Oma war alt, denke ich. Oma hatte ihr Leben gelebt. Vielleicht, füge ich an.
Siehst du das feine Zittern der Stromleitung vor dem morgenblauen Himmel, frage ich dich und blicke zum schaukelnden Kabel empor.
Schon wieder ein Jahr verstrichen, sagen wir und fragen uns wo die vielen Stunden geblieben sind. Vom Alltag verschluckt, sage ich leise, Sekundenweise, damit keiner ihr Verschwinden bemerkt. Tausende von Runden dreht der Zeiger in seiner pausenlosen Wanderung.
Ein Vogel gleite über unsere Köpfe hinweg. Ich lächle und denke daran wie seine kleinen Lungenflügel ein und aus atmen. Genau wie die meinen, denke ich, und sehe zu wie seine Schwingen die Luft schneiden. Weil Luft nicht dasselbe wie Leere ist.
Natürlich habe ich schon viele Vögel gesehen, stimme ich dir zu und frage mich, wie ich die Einzigartigkeit dieses Augenblicks in Worte wickeln sollte. Weil die Uhr tickt, denke ich. Weil für das Leben der Repeat Button fehlt.
Jonathans Uhr ist zu früh stehen geblieben, sage ich zu dir. Er hatte keine Zeit. Aus dem Leben gerissen, wurde an der Beerdigung gesagt. Und ich weiss, dass es wahr ist. Unfälle sind die häufigste Todesursache bei jungen Menschen, wurde auch in unseren Vorlesungen gelehrt.
Die Zeit frisst sich stetig vor, sage ich leise zu mir selbst und schaudere ob dieser Gewissheit. Niemand weiss wann das letzte Sandkorn fällt. Der Tod siegt immer, sage ich zu dir, denn so ist das Leben.
Hörst du den Gesang des Teekessels, frage ich, und lausche dem leisen sirren und pfeifen des heiss werdenden Wassers. Es ist bloss ein Geräusch, sagst du und ich denke, dass dies wohl wahr ist, du dich aber trotzdem irrst.
Ich staune und lächle. Weil die Luft nach Kälte riecht. Weil die Sonne die kahlen Winterbäume in Licht kleidet. Das Leben ist schön, denke ich. Ich atme seine Zerbrechlichkeit und streiche mit meinen Fingerspitzen über die samtig weiche Oberfläche. Ich wünschte du könntest mit meinen Augen sehen.
Samstag, 21. Januar 2012
Donnerstag, 12. Januar 2012
regenstiefelgelb
Rot ist Blut und Blau das Meer. Gelb wie Sonnenblumen. Grün ist Hoffnung.
Die Tinte des Lehrers war rot. Rot war auch Mamas Lippenstift, den sie auftrug wenn sie ihn ihrem schwarzen Kleid und den hohen Schuhen ausging. Ich mochte Rot nicht, denke ich, weder die Tinte des Lehrers, noch die Abende wenn Mama das schwarze Kleid trug.
Irgendwann hatten sich die Nervenzellen in meinem Hirn so verknotet. Es hätte auch anders kommen können, sage ich mit einem Schulterzucken. Es wäre anders gewesen, wenn Mama nicht mit rotem Lippenstift ausgegangen wäre. Vielleicht würde ich dann Rot lieber mögen, sage ich zu dir.
Wir lachen, weil es nicht mehr wichtig ist.
Rote Rosen und Kerzenwachsweiss, sagst du. Gelb leuchtet die Strassenlaterne in der Nacht und Grün gestrichen sind die Wände des Operationssaals. Hellgrün, korrigierst du dich. Hellgrün.
Blau waren die meisten Kleider deiner Oma, erzählst du. Blau mit Blumen. Mit grossen gelben Lilien, mit weissen Margeriten, mit kleinen lila Orchideen. Die Hände deiner Oma rochen nach Spülmittel, sagst du und erinnerst dich an ihre schönen langen Nägel. Immer perfekt Rot lackiert.
Wenn du Spülmittel riechst, würdest du an Oma denken und das Blau ihrer geblümten Kleider sehen, sagst du. Und ich versuche mir die Bahnen in deinem Kopf vorzustellen die von Blau zum Spülmittel ziehen. Mein Blau besitzt den Geruch nach moderigen Bücher, denke ich. Blau mit Goldbuchstaben waren die Wälzer der grossen Enzyklopädie, die meine Eltern geerbt hatten. Wenn man sie zuknallte bildete sich eine kleine Staubwolke.
Weiss wie Schnee, führe ich unser Spiel fort. Winterblau. Regenstiefelgelb. Zuckerwattenrosa.
Die Flamingos im zoologischen Garten sind rosa, sagst du. Dein erster Füller war Gelb. Ein weisses Blatt Papier. Schwarz wie das seidene Fell deiner Katze.
Bei Zuckerwattenrosa drehen sich die Gondeln des Riesenrads, denke ich. Ich erinnere mich an das Glitzern der Stadt unter mir und an die Mischung aus Ehrfurcht und Angst, die ich empfunden hatte. Du kennst mein Zuckerwattenrosa nicht. Auch nicht mein Regenstiefelgelb. Weder das Gefühl mit den gelben Stiefeln in die tiefste Pfütze der Strasse zu hüpfen, noch meine Bestürzung über Papas Schimpfen.
Es ist bloss ein Spiel, denke ich. Gerade eben hatten wir noch gemeinsam gelacht, denke ich. Doch es stimmt mich traurig. Weil du nicht mit meinen Augen sehen kannst. Nicht mal du, denke ich. Weil in seinem Kopf jeder einsam ist. Einsam bleibt.
Elefantengrau. Marienkäferrot. Ich will die Unbeschwertheit des Nachmittags nicht zerbröckeln lassen. Schreibmaschinengrün. Ich erzähle dir vom Klackern der Texte die Papa schrieb während ich einschlief. Im Bett stellte ich mir vor wie er tippend fremde Welten erschuf.
Rot ist Blut und Blau das Meer. Gelb wie Sonnenblumen. Ich lächle. Du lächelst zurück. Weil du das Spiel verstehst. Und dies vielleicht ausreicht.
Die Tinte des Lehrers war rot. Rot war auch Mamas Lippenstift, den sie auftrug wenn sie ihn ihrem schwarzen Kleid und den hohen Schuhen ausging. Ich mochte Rot nicht, denke ich, weder die Tinte des Lehrers, noch die Abende wenn Mama das schwarze Kleid trug.
Irgendwann hatten sich die Nervenzellen in meinem Hirn so verknotet. Es hätte auch anders kommen können, sage ich mit einem Schulterzucken. Es wäre anders gewesen, wenn Mama nicht mit rotem Lippenstift ausgegangen wäre. Vielleicht würde ich dann Rot lieber mögen, sage ich zu dir.
Wir lachen, weil es nicht mehr wichtig ist.
Rote Rosen und Kerzenwachsweiss, sagst du. Gelb leuchtet die Strassenlaterne in der Nacht und Grün gestrichen sind die Wände des Operationssaals. Hellgrün, korrigierst du dich. Hellgrün.
Blau waren die meisten Kleider deiner Oma, erzählst du. Blau mit Blumen. Mit grossen gelben Lilien, mit weissen Margeriten, mit kleinen lila Orchideen. Die Hände deiner Oma rochen nach Spülmittel, sagst du und erinnerst dich an ihre schönen langen Nägel. Immer perfekt Rot lackiert.
Wenn du Spülmittel riechst, würdest du an Oma denken und das Blau ihrer geblümten Kleider sehen, sagst du. Und ich versuche mir die Bahnen in deinem Kopf vorzustellen die von Blau zum Spülmittel ziehen. Mein Blau besitzt den Geruch nach moderigen Bücher, denke ich. Blau mit Goldbuchstaben waren die Wälzer der grossen Enzyklopädie, die meine Eltern geerbt hatten. Wenn man sie zuknallte bildete sich eine kleine Staubwolke.
Weiss wie Schnee, führe ich unser Spiel fort. Winterblau. Regenstiefelgelb. Zuckerwattenrosa.
Die Flamingos im zoologischen Garten sind rosa, sagst du. Dein erster Füller war Gelb. Ein weisses Blatt Papier. Schwarz wie das seidene Fell deiner Katze.
Bei Zuckerwattenrosa drehen sich die Gondeln des Riesenrads, denke ich. Ich erinnere mich an das Glitzern der Stadt unter mir und an die Mischung aus Ehrfurcht und Angst, die ich empfunden hatte. Du kennst mein Zuckerwattenrosa nicht. Auch nicht mein Regenstiefelgelb. Weder das Gefühl mit den gelben Stiefeln in die tiefste Pfütze der Strasse zu hüpfen, noch meine Bestürzung über Papas Schimpfen.
Es ist bloss ein Spiel, denke ich. Gerade eben hatten wir noch gemeinsam gelacht, denke ich. Doch es stimmt mich traurig. Weil du nicht mit meinen Augen sehen kannst. Nicht mal du, denke ich. Weil in seinem Kopf jeder einsam ist. Einsam bleibt.
Elefantengrau. Marienkäferrot. Ich will die Unbeschwertheit des Nachmittags nicht zerbröckeln lassen. Schreibmaschinengrün. Ich erzähle dir vom Klackern der Texte die Papa schrieb während ich einschlief. Im Bett stellte ich mir vor wie er tippend fremde Welten erschuf.
Rot ist Blut und Blau das Meer. Gelb wie Sonnenblumen. Ich lächle. Du lächelst zurück. Weil du das Spiel verstehst. Und dies vielleicht ausreicht.
Dienstag, 10. Januar 2012
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